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Hochschule Bremerhaven
Studiengang Lebensmittel-Technologie

Technologie pflanzlicher Lebensmittel

Bäckereiwirtschaft

 

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Bedeutung und Verantwortung

Pflanzliche  Lebensmittel stellen weltweit und mengenmäßig den überwiegenden Anteil  in der menschlichen Ernährung dar. Aufgrund ihrer Fotosyntheseleistung  sichern pflanzliche Zellen schlechthin die Lebens- und  Ernährungsgrundlage des Menschen, aber auch der Tiere.

Die  Ernährungswirtschaft steht dabei als gewichtige Branche der  Volkswirtschaft in der Wertschöpfungskette zwischen der Landwirtschaft  einerseits (Urproduktion) und dem Endverbraucher andererseits  (Konsument, Lebensmitteleinzelhandel / LEH , Retailer etc.). Fragen, die primär nach der Ernte eines Rohstoffes zu lösen sind , die  spezifische Be- und Verarbeitung im Betrieb, sowie die schonende  Haltbarmachung eines Produktes mit allen damit zusammenhängenden  Aufgaben (Qualität und Ernährungsphysiologie , Sicherheit,  Handhabbarkeit, Verpackung, Logistik etc.) sind für einen  Lebensmittelbetrieb eine alltägliche und verantwortungsvolle Aufgabe.  Die Lebensmittelherstellungskette selbst wird in zunehmendem Masse  komplexer: Jedes ihrer Glieder hat genau so stark zu sein wie alle  anderen, wenn man die Gesundheit der Verbraucher angemessen schätzen  will.

Definiert  durch den Grundsatz der Verantwortlichkeit (Gesundheits - und  Verbraucherschutz) auf der einen Seite und den hohen Anforderungen an  eine hohe und steigende Lebensmittelqualität auf der anderen Seite ,  kann das Aufgabenfeld aller Lebensmitteltechnologen/innen umschrieben  werden.

Produktspezifische Technologie

Im Bereich  der Produkttechnologie der Lebensmittel pflanzlicher Herkunft sind es  einerseits bestimmte landwirtschaftliche Rohstoffe (z.B. Obst und  Gemüse), die nach der Ernte spezifisch zu be- und verarbeiten sind und  schliesslich auf das Produkt abgestimmt, schonend gegart und haltbar  gemacht werden müssen.

Beispiele dafür sind Nasskonserven ( Baby-Food, Gemüsekonserven, Sauerkonserven, auch Fertigsuppen etc.).

Zum Zwecke  einer besonders schonenden Haltbarmachung werden zunehmend  Tiefkühlprodukte mit unterschiedlichen Verfahren hergestellt ( Spinat,  Erbsen, Pommes-Frites, Pfannengerichte und andere Fertiggerichte etc.).  Die Garung dieser Erzeugnisse erfolgt überwiegend im Haushalt .

Andererseits verfügen wir über Rohstoffe wie Getreide (Weizen, Roggen, etc.), die  nicht sofort konserviert werden (Ausnahme : Vorratsschutz), da sie erst  durch besondere Technologien in ein (bekömmliches, respec. verdauliches) Lebensmittel wie Brot und Brötchen oder Kuchen umgewandelt werden  müssen (Müllerei, Bäckerei ). Nach einer solchen komplexen  Produkttechnologie werden Haltbarkeitsfragen und dementsprechende  Technologien relevant    ( z.B.adiabatische Kühlung von Schnittbrot unter  aseptischen Bedingungen ).

Analogen  Situationen (Technologien für Basisprodukte einerseits und Technologien für Fertigprodukte andererseits) begegnet man in sehr vielen Bereichen  der Produkttechnologie der Lebensmittel pflanzlicher Herkunft:

So  ermöglicht die Gewinnung von Ölen aus Ölsaaten (Raps, Sonnenblumen etc.) erst eine nachfolgende Herstellung von z.B. Margarine oder anderen  Emulsionen. Auch die Gewinnung von Kakaobutter und Kakaomasse folgt  ähnlichen Technologien , wie sie in der Ölmühle angewendet werden oder  im Falle von Zerkleinerungsaufgaben, wie sie in der Getreidemühle oder  in der Gewürzmühle bekannt sind.

In der  Zuckerfabrikation wird mit optimierter Verfahrenstechnik Sucrose  gewonnen, die im Süsswarenbereich in die unterschiedlichsten Zuckerwaren  mit spezifischer Technologie umgesetzt werden ( Hartkaramel, Pralines,  Schaumzuckerwaren, Gummiartikel , Kaugummi auch Schokoladen oder  Speiseeis etc.).

Alkoholische Getränke (Bier, Wein , Branntwein, Spirituosen etc.) werden ebenfalls  in unterschiedlichsten Stufen hergestellt . So erfolgt die alkoholische  Gärung zur Bierherstellung erst und u.a. nach einem aufwendigen  Mälzungsprozess der Getreidearten.

Viele  weitere Beispiele dieser Art lassen sich in diesem Zusammenhang anführen und sie charakterisieren die Technologie pflanzlicher Rohstoffe.

In der Vielfalt liegt die Spezialisierung

Im Sinne  eines Baukastensystems werden heute zunehmend Produkte mit ganz  bestimmten funktionellen Eigenschaften als Rezeptbestandteil eingesetzt.

Oft dienen  sogenannte Industriepflanzen als Rohstoffquelle, aus denen wir wertvolle Basisprodukte mit lebensmitteltechnologischem Know how gewinnen  können

Produkte wie Stärke ,Ballaststoffe ,Glucosesirup, Zucker etc. lassen sich u.a. aus  Mais , Weizen , Erbsen, Chicoree, Kartoffeln oder aus der Zuckerrübe  darstellen .

Proteine  liefern ernährungsphysiologisch wertvolle Aminosäuren und sorgen u.a.  für Wasserbindung oder Emulgierung im Produkt . Die Ölsaaten wie Soja,  Erdnuss oder z.B. Baumwolle sind einerseits wichtige Ölproduzenten und  andererseits Proteinlieferanten mit großer technologischer Bedeutung.  Auch andere Pflanzen wie Mais , Weizen , Lupinen sind wichtige  Proteinquellen und Öllieferanten zugleich . Sie finden Einsatz in sehr  unterschiedlichen Lebensmitteln . weil sie spezifische Aufgaben lösen  helfen.

Die  Produkteigenschaften und natürlich die Produktkenntnisse der  Spezialisten definieren schließlich die notwendigen  Verfahrenstechnologien zur Produktherstellung als auch das spezifische  Monitoring im Betrieb (chemische, mikrobiologische und physikalische  Qualitätssicherungsaufgaben). Dieser Bereich ist daher eine grundlegende Basis für einen erfolgreich geführten Betrieb.

Die Kenntnis der jeweiligen Herstellungs-Technologien und mehr und mehr die  Kenntnisse über die sachgerechte Anwendung bestimmter Ingredients und  Technologien für bestimmte Lebensmitteln ist z.B. eine tägliche  Herausforderung in der Produkt und Verfahrensentwicklung in  lebensmittelverarbeitenden Betrieben.

Vermehrt  gelangen ernährungsphysiologische Eigenschaften in den Mittelpunkt des  Verbraucherinteresses. Dabei spielen sog. Funktionelle Lebensmittel  (Health-Food, Functional Food, pro- und prebiotische Lebensmittel) und  anderes mehr (z.B. Nutraceutical , Wellness -Food) eine zunehmende  Rolle. Pflanzliche Rohstoffe oder auch sog.Sekundäre  Pflanzeninhaltsstoffe mit ihren spezifischen Eigenschaften im Sinne  einer ernährungsphysiologisch- medizinischen Prävention, bekommen in  diesem Zusammenhang einen wachsenden Stellenwert. Die Entwicklung  neuartiger Lebensmittel, mit diesen und weitergehenden Zielrichtungen,  ist eine der zukünftigen Herausforderungen an die  Lebensmitteltechnologie schlechthin.

Die  Produkttechnologie der Lebensmittel pflanzlicher Herkunft stellt vor  diesem Hintergrund eine sehr heterogene und daher sehr vielseitige  Thematik dar, mit besonders vielen und ebenso vielseitigen Chancen im  Beruf. Diese Fachdisziplin vermittelt u.a. spezifische Kenntnisse und  Fertigkeiten in folgenden Technologien :

  • Getränketechnologie (nichtalkoholische und alkoholische Getränke)
  • Obst- und Gemüsetechnologie
  • Süsswarentechnologie
  • Technologie der Öle und Fett
  • Getreidetechnologie

Die in  diesem Bereich erworbenen Qualifikationen sind für dementsprechende  Branchen in der Ernährungswirtschaft spezifisch erforderlich und  umsetzbar (Produktion, Qualitätssicherung , Produktentwicklung,  Anwendungsberatung etc.):

  • Getränkewirtschaft
  • Brauereien, Küfreien, Brennereien etc.
  • Kaffeeröstereien, Teeverarbeitung, Kakaogewinnung
  • Müllerei, Stärkefabrikation
  • Getreidenährmittel (Frühstückscerealien, Baby-Kost, etc.), Snacks und Knabberartikel
  • Kartoffelverarbeitende Industrie
  • Gewürzindustrie, Aromenindustrie
  • Tiefkühlkost-Herstellung (Fertiggerichte, TK-Gemüse, etc.)
  • Konservenindustrie, Senfindustrie, Feinkostherstellung, Essigfabrikation
  • Zuckerfabrik, Süsswarenherstellung, Schokoladenindustrie, Speiseeisherstellung
  • Teigwarenindustrie, Suppenindustrie (Trockenprodukte)
  • Backwarenwirtschaft, Feine Backwaren, Backmittelindustrie
  • Margarinefabrik, Suppen- u. Saucenherstellung (z.B. aseptisch hergestellt)
  • Futtermittel-, Pet-Food -Herstellung
  • Diät-Erzeugnisse, Öko-Lebensmittel
  • Obst- und Gemüseverarbeiter (Rohkostprodukte, verarbeitete Erzeugnisse)
  • Diverse Zulieferbetriebe
  • Anderes

Die  Ausbildung findet praktisch im Institut für Lebensmitteltechnologie und  Bioverfahrenstechnik (ILB) der Hochschule Bremerhaven statt ( im Zentrum der lebensmittelverarbeitenden Wirtschaft von Bremerhaven : dem  Fischereihafen ).

Das Haus beherbergt gleichzeitig das ttz-BILB (Bremerhavener Institut für  Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik des  Technologie-Transfer-Zentrums an der Hochschule Bremerhaven) mit seinen  weiteren Einrichtungen wie dem Sensorik-Labor, dem EIBT (European  Institute of Baking Technology) und dem Biotechnologie-Zentrum. Diese  Einrichtungen mit ihren vielseitigen Aktivitäten vor allem im  internationalen Bereich ermöglichen eine praxissnahe und  zukunftsorientierte Ausbildung. Die Integration von Lehre und Forschung  wird hier besonders groß geschrieben.

Prof. Dr. K. Lösche

Hochschule Bremerhaven

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